Die Finanzierung von Kleinunternehmen befindet sich in einer schwierigen Lage.
Im vierten Quartal 2023 wurden nur etwa 13,2 % der Kreditanträge von Kleinunternehmen durch Großbanken genehmigt. Im Jahr 2020 lag diese Zahl noch bei rund 28 %.
Die Zinssätze steigen, die Kreditvergabestandards werden verschärft und überall spüren Kleinunternehmer den Druck.
Ob Sie ein kleiner Hersteller, ein E-Commerce-Händler oder ein Distributor sind – die Aufrechterhaltung der Liquidität Ihres Betriebskapitals ist entscheidend. Wenn Sie – wie viele andere Unternehmen – einen Liquiditätsengpass verspüren, suchen Sie womöglich nach alternativen Finanzierungsquellen.
Haben Sie schon von Warenbestandsfactoring gehört? Dieser Leitfaden hilft Ihnen, zu verstehen, was Warenbestandsfactoring für kleine Unternehmen ist – wie es funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt und worauf Sie sonst noch achten sollten.
Was ist Warenbestandsfactoring?
Warenbestandsfactoring ist eine alternative Finanzierungsquelle, mit der Unternehmen ihren Warenbestand und ausstehende Bestellungen nutzen können, um schnell an Geld zu kommen. Das Warenbestandsfactoring für kleine Unternehmen unterscheidet sich in manchen Details hinsichtlich der konkreten Optionen, funktioniert aber im Großen und Ganzen auf die gleiche Weise.
Ich habe den Prozess weiter unten im Detail beschrieben, aber hier eine kurze Zusammenfassung:
- Sie verkaufen Ihre Bestellungen oder Forderungen an ein Unternehmen, das als „Factor“ bezeichnet wird
- Der Factor zahlt Ihnen einen Teil des Bestellbetrags im Voraus aus; meist 70–90 %
- Der Factor übernimmt dann diese kurzfristige Forderung und zieht das Geld bei Ihrem Kunden ein
- Nach Zahlungseingang zahlt der Factor Ihnen den Restbetrag (abzüglich Gebühren) aus
Warenbestandsfactoring verschafft Ihnen früher freien Cashflow, sodass Sie mehr Ware oder andere Ausgaben finanzieren können, während Sie auf Kundenzahlungen warten. Es wird häufig genutzt, wenn Unternehmen Liquidität benötigen, um eine größere Bestellung zu erfüllen.
Vorteile des Warenbestandsfactorings für kleine Unternehmen
Factoring von Warenbeständen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist nicht verwässernd, schnell und (relativ) einfach zu erhalten. Die wichtigsten Vorteile habe ich im Folgenden ausführlicher erklärt.
Schnelle Liquidität
Factoring ist schnell und passt sich den Bedürfnissen eines Unternehmens an. In der Regel bauen Unternehmen zunächst eine Beziehung zu einem Factor auf (was anfänglich einige Tage bis eine Woche dauern kann). Ist diese Beziehung einmal etabliert, geht die Geldbeschaffung über das Factoring von Warenbeständen und Forderungen sehr flott (bei den besten Factoring-Anbietern so schnell wie innerhalb eines Werktages).
Sind die Verträge einmal eingerichtet, können einige Factoring-Vereinbarungen ähnlich wie eine Kreditlinie funktionieren. Das bedeutet, dass unkompliziert jederzeit Liquidität auf revolvierender Basis abgerufen werden kann.
Geld ohne klassische Verschuldung
Anders als bei traditionellen Unternehmensfinanzierungen müssen Sie für Liquidität durch Warenbestandsfinanzierung für kleine Unternehmen keine wirkliche* Verschuldung eingehen.
Das bringt gleich zwei große Vorteile mit sich:
- Die Genehmigung für Warenbestandsfactoring ist leichter zu bekommen (verglichen mit klassischen Krediten), auch wenn Ihr Bonitätsprofil als Unternehmen nicht optimal ist
- Es ist eine Form der nicht verwässernden Finanzierung, da Sie keine Unternehmensanteile abgeben
Gerade im aktuell strengen KMU-Kreditumfeld ist diese spezielle Form von finanzieller Hebelwirkung vielleicht nützlicher denn je.
*Hier ein wichtiger Hinweis: Technisch betrachtet gehen Sie auch durch das Factoring Ihrer Rechnungen eine Art Schulden ein. Zahlt Ihr Kunde am Ende die Forderung nicht, müssen Sie dem Factor das Geld zurückzahlen. Mit anderen Worten: Es ist keine gute Idee, Ihre Inkassoprobleme auf eine Factoring-Gesellschaft abzuwälzen, denn Sie tragen dann sowohl die Factoring-Gebühren als auch den Ausfall der Rechnung.
Verkaufsförderung
Sehen Sie es einmal so: Wenn Sie einen finanziellen Engpass erleben, ist es nicht überraschend, wenn es Ihren Kunden genauso geht.
Die bittere Realität: KMU haben im Vergleich zu Großunternehmen deutlich weniger Finanzierungsmöglichkeiten. James Carron von Flatirons Pharmaceuticals in Longmont, Colorado, musste jüngst erleben, wie sich der effektive Zinssatz seiner KMU-Kreditlinie verdoppelte – von 6,99 % auf fast 14 %.
„Wir können keine Unternehmensanleihen ausgeben oder auf andere Geldquellen zurückgreifen“, sagte er. „Große Konzerne haben viele Möglichkeiten, sich zu günstigen Konditionen zu finanzieren. Ein Kleinunternehmer kann das nicht“, erklärte Carron.
Aber die Sache ist die: Wenn Sie Ihren Kunden und Klienten flexible Finanzierungsmöglichkeiten anbieten können, steigern Sie ganz einfach Ihren Umsatz. Die Gewährung von Kredit an Ihre Kunden kann den Umsatz steigern, die Kundenbindung stärken und den Erfolg Ihrer Geschäftspartner fördern.
Doch die Gewährung von Zahlungszielen von 30 oder sogar 60 Tagen kann Ihre Liquidität belasten. Das Factoring von Lagerbeständen für kleine Unternehmen kann hier Abhilfe schaffen.
Anforderungen an das Lagerfactoring für kleine Unternehmen
Jede Factoring-Gesellschaft kann leicht abweichende Anforderungen haben, die erfüllt werden müssen. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass Ihr Unternehmen folgende Voraussetzungen erfüllen muss, um für Lagerfactoring in Frage zu kommen:
- Hochwertige Rechnungen, Bestellungen oder Forderungen zum Factoring besitzen. Factoring ist kein Weg, um fragwürdige Außenstände abzuschieben.
- Rechnungen/Bestellungen von Unternehmen oder Behörden haben. Factoring steht in der Regel nicht für Unternehmen zur Verfügung, die direkt an Endverbraucher verkaufen.
- Rechnungen von Firmen/Behörden mit guter Bonität besitzen. Der Faktor kann während des Antragsprozesses Bonitätsprüfungen Ihrer Kunden durchführen. Die eigene Kreditwürdigkeit Ihres Unternehmens ist weniger entscheidend, kann aber dennoch in den Prozess einfließen.
- Rechnungen ohne Pfandrechte oder sonstige Belastungen haben. Sie können keine offenen Rechnungen verkaufen, die bereits als Sicherheit bei anderen Finanzinstituten (z. B. im Rahmen von Rechnungsfinanzierung oder anderen Finanzprodukten) verwendet wurden, es sei denn, der Kreditgeber hat einer Nachrangisierung zugestimmt. Beachten Sie, dass bestimmte Finanzierungsarten mit sogenannten „Mantelpfandrechten/UCC-1-Pfandrechten“ versehen sein können, die sämtliche Vermögenswerte eines Unternehmens betreffen.
- Über physische Lagerbestände verfügen (sozusagen). Lagerfactoring für kleine Unternehmen ist eine Form des Rechnungsfactoring, aber wie der Name vermuten lässt, richtet es sich an Unternehmen, die physische Waren verkaufen (oder Hersteller mit physischen Rohstoffen). Allerdings bieten die meisten Faktoren auch klassisches Rechnungsfactoring an, das auch von Dienstleistern genutzt werden kann.
- Keine laufende Insolvenz haben. Auch wenn die Bonität Ihres Unternehmens nicht ausschlaggebend ist, nehmen die meisten Factoring-Gesellschaften keine Forderungen aus Unternehmen mit offenen Insolvenzverfahren an.
Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Abläufe, Anforderungen und Factoring-Konditionen, daher sollten Sie sich immer beim jeweiligen Anbieter informieren.
Wie funktioniert Lagerfactoring?
Der Begriff „Lagerfactoring“ ist etwas irreführend und kann zu Verwirrung führen.
In Wirklichkeit kann „Lagerfactoring“ eines von zwei Dingen bedeuten:
- Rechnungsfactoring speziell für Einzelhändler, Hersteller und andere mit physischen Lagerbeständen (das ist am häufigsten und wird im Artikel primär behandelt).
- Eine Form der Lagerfinanzierung, ähnlich wie eine Kreditlinie, die durch Forderungsfactoring zurückgezahlt wird.
Technisch gesehen handelt es sich um unterschiedliche Finanzprodukte, aber die Begriffe werden manchmal synonym verwendet. Sehen wir uns beides genauer an.
Wie funktioniert Rechnungsfactoring?
Beim Rechnungsfactoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Rechnungen an eine dritte Partei, den sogenannten „Faktor“. Der Faktor kauft die Rechnung, in der Regel gegen eine Vorauszahlung zzgl. einer weiteren Zahlung, sobald die Rechnung beglichen ist.
(Beachten Sie, dass es sich hier um aktuelle, hochwertige Rechnungen handelt. Factoring-Unternehmen kaufen keine uneinbringlichen oder überfälligen Forderungen – dies ist keine Inkassodienstleistung).
Angenommen, Sie erhalten eine Bestellung über Waren im Wert von 80.000 $ von einem etablierten Kunden. Sie stellen eine Rechnung über 80.000 $ mit 30 Tagen Zahlungsziel aus. Doch um den Auftrag abzuwickeln, benötigen Sie Liquidität.
In diesem Fall könnten Sie diese Rechnung verkaufen. Ein Factoring-Unternehmen zahlt Ihnen einen Großteil der Rechnungssumme direkt aus, meist zwischen 60-90 %. Der Faktor zieht anschließend den Rechnungsbetrag beim Kunden ein und überweist Ihnen dann den Restbetrag (abzüglich der Gebühren, die von 1 bis 10 % oder mehr betragen können).
Wie funktioniert Lagerfinanzierung?
Lagerfinanzierung ist eine Form der assetbasierten Finanzierung, bei der Sie Rohstoffe und/oder Warenbestände als Sicherheit nutzen. Die meisten Lagerfinanzierungen funktionieren ähnlich wie eine Kreditlinie, bei der ein revolvierender Kreditrahmen auf Basis des Wertes Ihres Inventars zur Verfügung gestellt wird.
Nehmen wir an, Sie sind ein etablierter Hersteller und verfügen in der Regel über Rohstoffe und Fertigwaren im Wert von 1 bis 1,5 Mio. $ auf Lager. Ein Lagerfinanzierer könnte Ihnen dann eine Kreditlinie von etwa 50–75 % des gutachterlichen Wertes (bzw. des Nettoankaufspreises, je nachdem, was niedriger ist) einräumen.
Der Einfachheit halber nehmen wir an, Ihnen wird auf Basis Ihres Lagerbestands von über 1 Mio. $ eine Kreditlinie von 500.000 $ eingeräumt. Sie könnten dann auf dieser Kreditlinie revolvierend zugreifen.
Jetzt wird es interessant: Statt Ihren Kreditrahmen mit Bargeld oder einem assetbasierten Kredit zurückzuführen, erlauben einige Anbieter, dass Sie Forderungen verpfänden, um Ihre Kreditlinie zu tilgen.
Nehmen wir also an, Sie nutzen 150.000 $ Ihrer Kreditlinie und erhalten daraufhin einen Auftrag über 100.000 $. Sie könnten diese Forderung dann an Ihren Finanzierungspartner abtreten und einen Teil Ihres Kreditrahmens tilgen. Je nach verschiedenen Faktoren würde Ihre Kreditlinie durch diese Rechnung wahrscheinlich um 90.000 bis 99.000 $ verringert.
Solche Finanzierungsprodukte sind komplex, und jedes Unternehmen bietet unterschiedliche Konditionen und Details an. Im Kern ist das Entscheidende beim Verständnis dieser Form der Lagerfinanzierung für kleine Unternehmen, dass sie im Prinzip eine klassische Kreditlinie mit Forderungsverkauf kombiniert.
Häufige Missverständnisse rund um Lagerbestandsfactoring
Das größte Missverständnis beim Lagerbestandsfactoring wurde bereits oben erörtert (der Unterschied zwischen Lagerfinanzierung und Forderungsverkauf). Doch das ist nicht der einzige Irrtum – es gibt noch mehr, was für Verwirrung sorgen kann.
Vorschüsse und Assetbewertung
Sowohl der Forderungsverkauf als auch die Lagerfinanzierung können helfen, Liquiditätsprobleme zu überbrücken, indem Gelder vorab zur Verfügung gestellt werden. Die Struktur dieser Vorschüsse – und auch die Prozentsätze – können jedoch variieren.
Beim klassischen Forderungsverkauf erhalten Sie vom Factor meist 70–90 % des Rechnungswertes (Nennwert) sofort. Den Rest (abzüglich Factoring-Gebühren) bekommen Sie, sobald die Rechnung beglichen wird.
Bei der Lagerfinanzierung stellt Ihnen der Factor häufig eine Kreditlinie in Höhe von 50–75 % des bewerteten Lagerwerts oder des Netto-Einkaufspreises (je nachdem, was niedriger ist) zur Verfügung.
Hier ist der Unterschied entscheidend: Ein Warenbestand mit Anschaffungskosten von 1 Mio. $ könnte eine Kreditlinie von 500.000 bis 750.000 $ ermöglichen. Derselbe Bestand könnte nach dem Verkauf einen Forderungsbestand von 1 bis 2 Mio. $ oder mehr hervorbringen, je nach Ihren Bruttomargen.
Voraussetzungen für den Warenbestand
Der Forderungsverkauf wird oft als einfaches Finanzierungsmodell angepriesen. Und im Prinzip stimmt das: Arbeiten Sie mit qualifizierten Abnehmern zusammen und besteht bereits eine Beziehung zu einem Factor, kann das Factoring von Forderungen tatsächlich unkompliziert sein.
Kommen Lagerbestände ins Spiel, wird es meist etwas komplexer. Factoring- und Finanzierungsgesellschaften können vergleichsweise strenge Anforderungen an die Lagerbestände von Unternehmen stellen.
Oft verlangen Factors beispielsweise lückenlose Lagerbestandsaufzeichnungen anhand von permanenten Lagerführungssystemen. Der Warenbestand muss zudem marktfähig sein – verkaufen Sie ausschließlich Sonderanfertigungen oder Nischenprodukte, ist eine Finanzierung auf diesem Wege möglicherweise nicht möglich. Unternehmen können zudem jährlichen (teils auch vierteljährlichen) Bestandsprüfungen oder Inspektionen unterliegen.
Reale Kosten
Lager- und Forderungsfinanzierung werden häufig als kostengünstige Geldquellen dargestellt. Die Factoring-Sätze können zweifellos wettbewerbsfähig sein. Die primären Kosten entstehen durch die Abschlagsrate – aber wie immer sollten Sie auch auf Bearbeitungsgebühren und sonstige eventuelle Zusatzkosten achten.
Die Preise für Factoring-Dienstleistungen für Kleinunternehmen variieren erheblich. Branche, Unternehmensgröße und die Qualität der Kundenbeziehungen haben massiv Einfluss auf die Finanzierungskosten bei dieser Variante.
Lagerbestandsfactoring ist eine besondere Option für KMU
Wenn Sie als strategische Finanzführungskraft in Ihrem Unternehmen agieren, lohnt es sich, alle Optionen zu kennen. Geht es darum, Liquiditätsengpässe zu vermeiden und zahlungsfähig zu bleiben, ist das Lagerbestandsfactoring für kleine Unternehmen definitiv eine sinnvolle Möglichkeit.
Ist es die beste Option? Das kann nur eine konsequente Kosten-Nutzen-Analyse auf Basis Ihrer individuellen Gegebenheiten beantworten. Für einige ist Factoring flexibel und günstig – für andere können klassische Kreditlinien oder selbst SBA-Kredite besser geeignet sein.
Wie immer gilt: Wissen ist Macht im Mittelstand. Vergleichen Sie Ihre Finanzierungsmöglichkeiten, holen Sie Angebote ein und rechnen Sie durch, was für Ihr Unternehmen am sinnvollsten ist.
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