Wenn Sie eine Enterprise Resource Planning (ERP) Software auswählen, sind klare ERP-Anforderungen unerlässlich. Ohne diese riskieren Sie, Geld für ein ERP-System auszugeben, das nicht passt, gescheiterte Projekte zu erleben oder eine schlechte Nutzerakzeptanz zu erleiden.
Dieser Artikel ist für Sie, wenn Sie diese teuren Fehler vermeiden und sicherstellen wollen, dass Ihr ausgewählter ERP-Anbieter oder die Technologie auf Ihre geschäftlichen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Im Folgenden finden Sie eine ERP-Anforderungsliste sowie praktische Hinweise, die sich leicht anpassen lassen und die Ihnen dabei helfen, das richtige ERP-System für Ihr Team zu finden.
Checkliste für ERP-Software-Anforderungen
Ich verwende diese Checkliste, um das Marketing der Anbieter zu durchdringen und mich auf das zu konzentrieren, was für Finanz- und Operationsteams wirklich zählt. Sie deckt die wichtigsten funktionalen, technischen und anbieterseitigen Anforderungen ab, die Sie unbedingt prüfen sollten, bevor Sie etwas unterzeichnen. Folgendes sollten Sie bewerten:
Kernfunktionale Anforderungen
Unverzichtbare Voraussetzungen
- Finanzmanagement: Das System muss ein vollständiges Hauptbuch, Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung sowie automatisierte Bankabstimmungen innerhalb einer einheitlichen Plattform unterstützen.
- Berichtswesen und Analysen: Das System muss Standard-Finanzberichte erstellen und die Gestaltung individueller Berichte ohne Entwicklerunterstützung ermöglichen.
- Audit-Trail und Compliance-Kontrollen: Jeder Vorgang muss mit einem Zeitstempel protokolliert werden, aus dem hervorgeht, wer diesen erstellt, geändert oder freigegeben hat. Zugriffsrechte müssen rollenbasiert bis auf die Datenebene durchgesetzt werden.
- Unterstützung mehrerer Einheiten: Das System muss konzerninterne Transaktionen, konsolidierte Berichte und getrennte Buchhaltungen für mehrere juristische Personen oder Geschäftsbereiche bewältigen.
Standardanforderungen
- Beschaffungs- und Bestellmanagement: Das System muss die Erstellung von Bestellungen, Freigabeworkflows, Drei-Wege-Abgleich mit Rechnungen und Lieferscheinen sowie Lieferantenmanagement unterstützen.
- Lagerverwaltung: Das System muss Bestandsniveaus, -bewegungen und -bewertungen in Echtzeit an einem oder mehreren Standorten überwachen.
- Budgetierung und Prognosen: Das System muss die Erstellung von Budgets nach Abteilung oder Kostenstelle ermöglichen, inklusive Abweichungsanalyse zu den Ist-Zahlen.
- Lohnabrechnung-Integration: Das System muss entweder eine eigene Lohnabrechnung beinhalten oder eine direkte Integration mit einem Drittanbieter für die Lohnabrechnung ermöglichen.
- CRM-Integration: Das System muss Vertriebs-Pipeline und Kundendaten mit den Finanzaufzeichnungen verbinden, sodass Umsatzerlöse von der Gelegenheit bis zur Rechnung nachvollziehbar sind.
Sonderanforderungen
- Projektabrechnung: Das System muss Kosten, Umsätze und Rentabilität auf Projektebene nachverfolgen können und dabei auch Umsatzrealisierung nach Leistungsfortschritt unterstützen.
- Fertigung und Produktionsplanung: Das System muss Stücklisten, Fertigungsauftragsverwaltung und Kapazitätsplanung mit direkter Anbindung an Lager und Beschaffung unterstützen.
- Mehrwährungs- und internationale Steuerkonformität: Das System muss Währungsumrechnungen in Echtzeit durchführen, lokale Steuerregeln und landesspezifische Berichtsvorgaben für international tätige Unternehmen erfüllen.
- Außendienstmanagement: Das System muss Außendiensttechniker einteilen und disponieren, Auftragskosten erfassen und abgeschlossene Arbeitsaufträge mit der Rechnungsstellung und dem Lager synchronisieren.
Technische und Integrationsanforderungen
Unverzichtbare Voraussetzungen
- Datensicherheit und Verschlüsselung: Das System muss Daten sowohl im Ruhezustand als auch während der Übertragung verschlüsseln, Multi-Faktor-Authentifizierung erzwingen und rollenbasierte Berechtigungen bis auf Feldebene unterstützen.
- API-Verfügbarkeit: Das System muss eine dokumentierte, stabile REST-API bereitstellen, über die Daten zwischen dem ERP und anderen Geschäftssystemen ohne manuellen Eingriff fließen können.
- Cloud-Hosting und Ausfallsicherheit: Das System muss auf einer bewährten Cloud-Infrastruktur gehostet werden und eine vertraglich garantierte Verfügbarkeit (SLA) von mindestens 99,5 % bieten.
- Datensicherung und Notfallwiederherstellung: Das System muss automatisierte Backups nach einem definierten Zeitplan durchführen und einen dokumentierten Wiederherstellungsprozess mit eindeutigem Recovery Time Objective unterstützen.
Standardanforderungen
- Native Integrationen mit zentralen Geschäftstools: Das System muss vorgefertigte Konnektoren für häufig genutzte Plattformen in den Bereichen Lohnbuchhaltung, CRM, E-Commerce und Banking bieten, ohne dass eine individuelle Entwicklung erforderlich ist.
- Single Sign-On-Unterstützung: Das System muss SSO über Standard-Identitätsanbieter ermöglichen, sodass sich Nutzer über Ihr vorhandenes Verzeichnis wie Azure Active Directory oder Okta authentifizieren können.
- Mobile Zugänglichkeit: Das System muss eine mobile Oberfläche oder App bereitstellen, mit der Nutzer Transaktionen genehmigen, Berichte einsehen und wichtige Arbeitsabläufe per Smartphone oder Tablet verwalten können.
- Skalierbarkeit: Das System muss steigende Transaktionsvolumen, zusätzliche Nutzer und neue Unternehmenseinheiten bewältigen, ohne dass eine Migration der Plattform oder umfangreiche Neukonfiguration erforderlich ist.
- Tools für Datenimport und -export: Das System muss den Massendatenimport über strukturierte Dateiformate unterstützen und jederzeit einen vollständigen Datenexport in nicht-proprietären Formaten ermöglichen.
Spezielle Anforderungen
- EDI-Unterstützung: Das System muss den elektronischen Datenaustausch unterstützen, um den automatisierten Austausch von Auftrags-, Rechnungs- und Versanddaten mit Handelspartnern zu ermöglichen, die dies erfordern.
- Integration von IoT- und Sensordaten: Das System muss Echtzeitdaten von vernetzten Geräten oder Anlagen empfangen und diese Daten in Lagerhaltungs-, Wartungs- oder Produktionsprozesse einfließen lassen.
- On-Premise-ERP- oder Private-Cloud-ERP-Bereitstellung: Das System muss die Bereitstellung außerhalb einer öffentlichen Shared Cloud ermöglichen, falls Unternehmen aufgrund von Datenresidenz- oder regulatorischen Anforderungen dazu verpflichtet sind (ein hohes Maß an Kontrolle ist einer der wichtigsten Vorteile von On-Premise-ERP-Systemen).
Sicherheits- und Compliance-Anforderungen
Unbedingt erforderlich
- Rollenbasierte Zugriffskontrolle: Das System muss den Zugriff der Benutzer auf Daten, Module und Funktionen anhand definierter Rollen einschränken, sodass kein Benutzer Datensätze außerhalb seiner Autorisierungsebene einsehen oder bearbeiten kann.
- Unveränderbares Prüfprotokoll: Jede Finanztransaktion und jede Systemänderung muss mit einem Zeitstempel, einer Benutzer-ID und dem Zustand vor und nach der Änderung protokolliert werden, wobei diese Einträge weder verändert noch gelöscht werden dürfen.
- SOC 1- und SOC 2-Zertifizierung: Der Anbieter muss aktuelle SOC 1 Type II- und SOC 2 Type II-Berichte vorweisen, die bestätigen, dass interne Kontrollen über Finanzberichterstattung und Datensicherheit extern geprüft wurden.
- Durchsetzung der Funktionstrennung: Das System muss sicherstellen, dass kein einzelner Benutzer widersprüchliche Berechtigungen erhält, z. B. Zahlungen sowohl erstellen als auch genehmigen kann, ohne einen zweiten Autorisierungsschritt.
Standardanforderungen
- DSGVO-Konformität: Das System muss Anfragen auf Auskunft über personenbezogene Daten, Löschungsprozesse und das Nachverfolgen von Einwilligungen für alle in der Plattform verarbeiteten personenbezogenen Daten unterstützen.
- Kontrolle über Datenresidenz: Das System muss es Ihrer Organisation ermöglichen, den geografischen Speicherort der Daten festzulegen und dokumentiert bestätigen, dass die Daten die vorgesehenen Regionen nicht verlassen.
- Penetrationstests und Schwachstellenmanagement: Der Anbieter muss regelmäßige externe Penetrationstests durchführen und eine veröffentlichte Richtlinie für verantwortungsvolle Offenlegung und Behebungszeiträume bereithalten.
- Sitzungsmanagement und Timeout-Steuerung: Das System muss inaktive Benutzersitzungen nach einer konfigurierbaren Zeitspanne automatisch beenden und alle Anmeldeversuche – auch fehlgeschlagene – protokollieren.
- Protokollierung des Änderungsmanagements: Alle Änderungen an Konfigurationen – einschließlich Workflow-Änderungen, Berechtigungsanpassungen und Systemeinstellungen – müssen protokolliert und einem bestimmten Benutzer sowie Zeitstempel zuordenbar sein.
Spezielle Anforderungen
- HIPAA-Konformität: Für Organisationen, die mit geschützten Gesundheitsinformationen arbeiten, muss der Anbieter ein Business Associate Agreement unterzeichnen und nachweisen, dass die Plattform die technischen Sicherheitsanforderungen gemäß HIPAA erfüllt.
- ITAR- und Exportkontrollkonformität: Für Verteidigungsauftragnehmer oder Hersteller von kontrollierten Gütern muss das System den Datenzugriff auf autorisierte Personen beschränken und die Einhaltung der International Traffic in Arms Regulations unterstützen.
- PCI DSS-Konformität: Für Unternehmen, die Kartendaten innerhalb des ERP verarbeiten, muss das System die Anforderungen des Payment Card Industry Data Security Standard erfüllen, einschließlich Netzwerksegmentierung und verschlüsselter Speicherung der Kartendaten.
- FedRAMP-Autorisierung: Für Organisationen, die an oder innerhalb US-Bundesbehörden verkaufen oder tätig sind, muss das System eine aktuelle FedRAMP-Autorisierung auf der entsprechenden Impact-Stufe besitzen.
Anbieter-Support und Implementierungsanforderungen
Unverzichtbare Anforderungen
- Engagierter Implementierungs-Support: Der Anbieter muss einen namentlich benannten Implementierungsmanager zuweisen, der den Projektplan verantwortet, die Datenmigration koordiniert und vom Vertragsabschluss bis zum Go-live als primärer Ansprechpartner für Eskalationen dient.
- Unterstützung bei der Datenmigration: Der Anbieter muss dokumentierte Tools, Vorlagen und praktische Unterstützung für die Migration historischer Finanzdaten aus Ihren bestehenden Systemen in die neue Plattform bereitstellen.
- Schulungs- und Onboarding-Ressourcen: Der Anbieter muss ein strukturiertes Onboarding für Endnutzer und Administratoren bereitstellen, einschließlich rollenbasierter Schulungsmaterialien und Zugang zu einer Self-Service-Wissensdatenbank.
- Vertraglich zugesicherte SLA für Supportreaktionen: Der Anbieter muss sich zu definierten Reaktions- und Lösungszeiten für Support-Tickets je nach Schweregrad verpflichten; dies muss im Servicevertrag dokumentiert sein.
Standardanforderungen
- Benannte Account-Betreuung: Nach dem Go-live muss der Anbieter einen Account-Manager zuweisen, der regelmäßige Check-ins durchführt, Produktupdates kommuniziert und Anliegen in Ihrem Namen eskaliert.
- Anwender-Community und Peer-Netzwerk: Der Anbieter muss eine aktive Anwender-Community unterhalten, in der Kunden Konfigurationen teilen, Fragen stellen und auf von anderen Anwendern getestete Lösungen für gängige Herausforderungen zugreifen können.
- Sandbox- oder Testumgebung: Der Anbieter muss eine Nicht-Produktivumgebung bereitstellen, in der Ihr Team Konfigurationsänderungen, Integrationen und Updates testen kann, bevor diese auf Live-Daten angewendet werden.
- Transparenter Zugang zur Produkt-Roadmap: Der Anbieter muss eine zukunftsorientierte Produkt-Roadmap teilen und Kunden die Möglichkeit geben, Feature-Wünsche einzureichen und darüber abzustimmen.
- Unterstützung beim Upgrade-Management: Der Anbieter muss bevorstehende Releases im Voraus ankündigen, dokumentiert über Breaking Changes informieren und während des Upgrade-Prozesses Support bieten, um Unterbrechungen zu minimieren.
Spezielle Anforderungen
- Vor-Ort-Implementierungsdienste: Für komplexe Implementierungen muss der Anbieter oder ein autorisierter Partner in der Lage sein, vor Ort Berater zu stellen, die während der Konfigurations- und Go-live-Phasen direkt in Ihren Einrichtungen arbeiten.
- Branchenspezifische Implementierungspartner: Der Anbieter muss ein zertifiziertes Partnernetzwerk mit nachgewiesener Erfahrung in der Implementierung der Plattform für Ihre spezifische Branche (z. B. Fertigung, Gesundheitswesen oder professionelle Dienstleistungen) pflegen.
- Unterstützung bei kundenspezifischer Entwicklung: Der Anbieter muss Zugang zu einem Professional-Services-Team oder zertifizierten Entwicklern bieten, die individuelle Module, Workflows oder Integrationen über die Standard-Konfiguration hinaus erstellen und pflegen können.
Benutzererlebnis und Change-Management
Unverzichtbare Anforderungen
- Intuitive Benutzeroberfläche: Das System muss eine übersichtliche, logisch strukturierte Oberfläche bieten, die es Anwendern ermöglicht, tägliche Aufgaben mit minimalen Klicks und klarer Navigation zu erledigen.
- Rollenbasierte Dashboards: Das System muss individuell anpassbare Dashboards für verschiedene Anwenderrollen bereitstellen, die relevante KPIs, Aufgaben und Hinweise beim Login anzeigen.
- In-App-Hilfe und Tooltips: Das System muss kontextbezogene Hilfen, interaktive Anleitungen und Tooltips direkt in der Benutzeroberfläche integrieren, um Anwender bei der Erlernung neuer Arbeitsabläufe zu unterstützen.
- Barrierefreies Design: Das System muss Barrierefreiheitsstandards (wie WCAG 2.1) erfüllen und sicherstellen, dass Nutzer mit Behinderungen alle Kernfunktionen bedienen und das System uneingeschränkt nutzen können.
Standardanforderungen
- Selbstbedienungs-Anpassung: Das System muss es den Nutzern ermöglichen, Layouts, gespeicherte Suchen und Benachrichtigungseinstellungen eigenständig und ohne Eingreifen der IT anzupassen.
- Change Management Toolkit: Der Anbieter muss Vorlagen für die Kommunikation, Schulungspläne und Ressourcen zur Förderung der Nutzerakzeptanz zur Verfügung stellen, um Ihr Team beim Übergang zum neuen ERP zu unterstützen.
- Feedback-Erfassungstools: Das System muss eingebaute Mechanismen bieten, mit denen Nutzer direkt aus der Oberfläche Feedback abgeben oder Probleme melden können.
- Mehrsprachige Unterstützung: Das System muss Sprachoptionen für globale Teams bereitstellen, inklusive präziser Übersetzungen aller Menüs, Hilfetexte und Fehlermeldungen.
- Mobile-freundliche Arbeitsabläufe: Das System muss Kernprozesse – wie z. B. Genehmigungen, Zeiterfassung und Spesenübermittlung – auf mobilen Geräten unterstützen.
Spezielle Anforderungen
- Gamifizierte Lernmodule: Das System muss interaktive, spielerisch aufgebaute Trainingsmodule anbieten, um das Onboarding zu beschleunigen und Best Practices für neue Nutzer zu festigen.
- Integrierte Video-Tutorials: Das System muss kurze, rollenbezogene Video-Anleitungen bereitstellen, die direkt in jedem Modul oder Arbeitsablauf abrufbar sind.
- Nutzerakzeptanz-Analysen: Das System muss Berichte über die Nutzung von Funktionen, Anmeldehäufigkeiten und Abschlussraten von Arbeitsabläufen liefern, um die Einführung zu überwachen und Weiterbildungsbedarf zu erkennen.
Branchenspezifische Anforderungen
Unverzichtbare Anforderungen
- Branchenspezifische Compliance-Unterstützung: Das System muss die regulatorischen und berichtsbezogenen Anforderungen Ihrer Branche erfüllen, sei es Umsatzrealisierungen für SaaS, Rückverfolgbarkeit von Chargen für Lebensmittel und Getränke oder Projektkostenrechnung für das Baugewerbe.
- Konfigurierbare Arbeitsabläufe: Das System muss es Ihrem Team ermöglichen, Genehmigungsabläufe, Regeln für die Dateneingabe und Prozessabfolgen individuell zu gestalten, um sie an die tatsächlichen Abläufe Ihres Unternehmens anzupassen – statt an ein generisches Template.
- Benutzerdefinierte Felder und Datenstrukturen: Das System muss die Anlage benutzerdefinierter Felder, Objekte und Datenbeziehungen unterstützen, um Informationen zu erfassen, die für Ihr Geschäftsmodell einzigartig sind – und das ohne Programmieraufwand.
Standardanforderungen
- Lokalisierungsunterstützung: Das System muss länderspezifische Steuervorschriften, Datumsformate, Währungsanzeigen sowie gesetzliche Berichtspflichten für jede Region abdecken, in der Ihr Unternehmen tätig ist.
- Branchentypische Integrationen: Das System muss vorgefertigte Integrationen mit den in Ihrer Branche am häufigsten verwendeten Plattformen bieten, z. B. Shopify für den Einzelhandel, Procore für Bauwesen oder Veeva für Life Sciences.
- Branchenspezifische Berichtsvorlagen: Das System muss einsatzbereite Berichtsvorlagen bereitstellen, die sich an den in Ihrer Branche üblichen KPIs und Kennzahlen orientieren, sodass Sie nicht alles neu erstellen müssen.
- Skalierbares Lizenzmodell: Das System muss eine Preisstruktur bieten, die Ihrem Wachstumskurs gerecht wird – egal ob Sie Nutzer, Einheiten oder Module hinzufügen, ohne eine vollständige Neuverhandlung des Vertrags auszulösen.
Spezielle Anforderungen
- Chargen- und Seriennummernverfolgung: Für Hersteller, Händler oder Unternehmen aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie muss das System einzelne Einheiten oder Chargen vom Wareneingang bis zum Verkauf nachverfolgen und vollständige Vor- und Rückverfolgbarkeit unterstützen.
- Fördermittel- und Drittmittelbuchhaltung: Für gemeinnützige oder öffentliche Organisationen muss das System Einnahmen und Ausgaben nach Fördermittel oder Drittmitteln verfolgen und Berichte liefern, die den Anforderungen von Geldgebern oder Behörden entsprechen.
- Abonnement- und wiederkehrendes Einnahmenmanagement: Für SaaS- oder Abonnement-Unternehmen muss das System die Abrechnungszyklen automatisieren, Vertragsänderungen verwalten und eine umsatzrealisierungskonforme Abbildung nach ASC 606 über mehrere Leistungsverpflichtungen hinweg unterstützen.
- Leasing-Bilanzierungskonformität: Für Organisationen mit umfangreichen Leasingportfolios muss das System ASC 842 oder IFRS 16-konforme Leasingbilanzierung unterstützen, einschließlich der Berechnung von Nutzungsrechten und Tilgungsplänen für die Leasingverbindlichkeiten.
Überbewertete Anforderungen
Einige ERP-Funktionen wirken in einer Demo beeindruckend, liefern aber nach der Einführung selten den Mehrwert, den ERP-Anbieter versprechen. Nach meiner Erfahrung sind dies genau die Features, die Sie kritisch prüfen sollten, bevor sie Ihre Entscheidungsfindung beeinflussen:
- KI-gestützte Einblicke: Anbieter bewerben eingebaute KI als Möglichkeit, Anomalien zu erkennen, Trends zu prognostizieren und Risiken automatisch zu markieren. In der Praxis hängen diese Funktionen jedoch stark von sauberen, gut strukturierten historischen Daten ab – die den meisten Unternehmen beim Go-Live fehlen – und die Ergebnisse sind oft zu allgemein, um ohne Nachjustierung tatsächlich hilfreich zu sein.
- No-Code-Anpassungen: Es wird versprochen, dass Fachanwender Workflows, Berichte und Integrationen ohne IT-Unterstützung selbst erstellen können. In Wirklichkeit ist für alles über die Grundkonfiguration hinaus meist ein Entwickler oder tiefes Systemverständnis erforderlich, und schlecht umgesetzte No-Code-Automatisierungen können schwer nachvollziehbare Datenintegritätsprobleme verursachen.
- Integrierte Kollaborationswerkzeuge: Einige ERP-Plattformen bieten Chat, Aufgabenkommentare und Dokumentenaustausch als native Funktionen. Die meisten Teams nutzen dafür jedoch längst etablierte Tools wie Slack oder Microsoft Teams – zwei parallele Kollaborationsumgebungen zu pflegen, stiftet mehr Verwirrung, als es Probleme löst.
- Vorgefertigte Branchentemplates: Anbieter stellen diese oft als schnelle Lösung für einen raschen Go-Live dar, doch müssen die meisten Vorlagen erheblich angepasst werden, um reale Arbeitsabläufe abzubilden. Sie können die Implementierung sogar verzögern, weil Ihr Team auf eine Struktur festgelegt wird, die nicht zu Ihren Prozessen passt.
- Echtzeit-Dashboards für Führungskräfte: Live-Dashboards klingen vielversprechend, aber Führungskräfte loggen sich selten direkt ins ERP ein. Meist wird die Datenbasis ohnehin in ein separates BI-Tool exportiert, weshalb das native Dashboard nach einmaligem Konfigurieren kaum genutzt wird.
Schritte zur Anpassung Ihrer ERP-Software-Anforderungsliste
Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um Ihre Checkliste individuell anzupassen und auf Kurs zu bleiben:
- Geschäftsziele und Projektumfang definieren: Klären Sie Ihre übergeordneten Ziele, Problemfelder und gewünschten Ergebnisse, bevor Sie mit der Anforderungsanalyse beginnen. Nutzen Sie z. B. Workshops und Interviews mit Führungskräften, um die Notwendigkeit der ERP-Nutzung zu ermitteln.
- Feedback von allen Stakeholdern einholen: Befragen Sie alle Beteiligten mittels Umfragen, Fokusgruppen oder Interviews. Stellen Sie Fragen, um versteckte Bedarfe aufzudecken und sicherzustellen, dass keine Anforderungen übersehen werden.
- Anforderungen priorisieren und kategorisieren: Gliedern Sie Ihre Anforderungen in "Must-Haves", "Nice-to-Haves" und "Future-State". Erzielen Sie Einigkeit unter den Stakeholdern, indem Sie eine beispielhafte, gestufte Liste oder Tabelle bereitstellen.
- Integrations-, Skalierbarkeits- und Sicherheitsanforderungen evaluieren: Stellen Sie sicher, dass Ihre Anforderungen Interoperabilität, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen sowie Wachstums- und Veränderungsfähigkeit abdecken. Berücksichtigen Sie regulatorische und Best-Practice-Standards.
- Gesamtkosten & ROI berechnen: Prüfen Sie alle kurz- und langfristigen Kosten sowie finanzielle und operative ERP-Software-Vorteile. Berücksichtigen Sie Software, Schulungen, Support, Updates und Ausfallzeiten in Ihrer ERP-Preis-Analyse.
Wichtige Stakeholder bei der Auswahl von ERP-Software
Die Einbindung verschiedener Geschäftsbereiche bei der Erhebung von ERP-Anforderungen hilft, blinde Flecken zu vermeiden, Reibungsverluste zu reduzieren und sicherzustellen, dass die Lösung sowohl strategische als auch operative Ziele unterstützt. Auf diese Weise erzielen Sie letztlich den größten Vorteil aus Ihrer Cloud-ERP-Software.
Nutzen Sie diese Tabelle, um zu verstehen, welche Interessengruppen involviert werden sollten und welche Prioritäten sie setzen:
| Stakeholder | Rolle |
|---|---|
| CFO/Finanzleitung | Definiert finanzielle Kontrollen, Reporting-Anforderungen, Compliance-Vorgaben und Budgetgrenzen. |
| IT-Direktor/-Manager | Bewertet technische Eignung, Integrationsanforderungen, Sicherheitsstandards und langfristige Skalierbarkeit. |
| Betriebsleiter | Identifiziert Anforderungen an Workflow-Automatisierung, Lagerhaltung, Beschaffung und Prozesseffizienz. |
| Abteilungsleiter | Bringt abteilungsspezifische Anforderungen ein und stellt sicher, dass das ERP den täglichen Betrieb unterstützt. |
| Endnutzer | Gibt Feedback zur Bedienbarkeit, zu Problempunkten und zu unverzichtbaren Funktionen für tägliche Aufgaben. |
| Leitung HR/Gehaltsabrechnung | Stellt sicher, dass Anforderungen an Lohnabrechnung, Zeiterfassung und Mitarbeiterdaten berücksichtigt werden. |
| Leitung Einkauf | Definiert Anforderungen an Lieferantenmanagement, Einkauf und Freigabe-Workflows. |
| Compliance-Beauftragter | Überprüft, ob regulatorische, Prüf- und Datenschutzanforderungen in die Lösung integriert sind. |
Entwickeln Sie Ihre ERP-Software-Strategie mit Zuversicht
Erhalten Sie praxisnahe Frameworks, Expertentipps und einen bewährten Prozess für die Auswahl von ERP-Software in diesem Schritt-für-Schritt-Leitfaden zu Wie Sie ERP-Software auswählen.
