Die Entscheidung zwischen einem Product Lifecycle Management (PLM)-System oder einem Enterprise Resource Planning (ERP)-System hängt stark von Ihren geschäftlichen Anforderungen ab.
PLMs konzentrieren sich ausschließlich auf die Produktentwicklungsphase und bündeln alle produktbezogenen Informationen auf einer Plattform, die für alle Produktbeteiligten zugänglich ist.
Hingegen erfassen ERPs einen größeren Umfang, indem sie Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen – wie Finanzen, Vertrieb und Personalwesen – zusammenführen, um Geschäftsprozesse zu optimieren und die Gesamtkosten zu senken.
Obwohl sie einander ergänzen, benötigen Sie in der Regel nur eines dieser Systeme, um das Beste aus Ihrem Fertigungsprozess herauszuholen. Um zu verstehen, warum das so ist, werfen wir einen Blick darauf, wie PLMs und ERPs funktionieren, worin sie sich ähneln und unterscheiden.
Was ist PLM?
Product Lifecycle Management beschreibt die Prozesse und Werkzeuge, die zur Verwaltung des Produktlebenszyklus eingesetzt werden.
Wenn Ihr Produkt ein Kind wäre, wäre das PLM eine zentrale Informationsquelle, bei der alle Beteiligten – Ärzte, Lehrer, Betreuer – Informationen über das Kind abrufen könnten. Das zentrale Produktdaten-Repository enthält Produktinformationen wie Produktdesign-Dateien, Stücklisten (BOM), Dokumente und Aktualisierungen.
Der Einsatz eines PLM gewährleistet:
- Alle Beteiligten haben Zugriff auf die neuesten produktbezogenen Daten
- Teammitglieder können neue Produkte schnell auf den Markt bringen
- Produkte erfüllen von Beginn der Entwicklung an regulatorische Anforderungen
Wenn beispielsweise Produktvermarkter eine Funktion einführen möchten, die den App-Traffic erhöhen soll, informiert eine schnelle Aktualisierung im PLM-System Ihre App-Entwickler, sodass ihnen ausreichend Zeit bleibt, die Serverkapazitäten zu erhöhen.
Was ist ERP?
Enterprise Resource Planning-Systeme verwalten alles rund um das Unternehmen. Sie vereinen meist Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen wie Vertrieb, Marketing, Buchhaltung, Recht, usw.
Zurück zur Kinder-Analogie: Das ERP wäre das Familienplanungstool. Es nutzt Daten von allen in der Familie (bzw. im Unternehmen), um Finanzen zu planen, die Kommunikation zu verbessern, Informationen zu organisieren und Geschäftsprozesse zu optimieren.
Ein ERP bietet Unternehmen erhebliche Vorteile, darunter:
- Zugang zu zuverlässigeren Datenauswertungen
- Besseres Treffen von Entscheidungen
- Beseitigung von doppelten Dateneingaben
Beispielsweise verfolgt das ERP-System die Anzahl der verfügbaren Teile im Lager. Wenn sie unter einen bestimmten Schwellenwert fällt, benachrichtigt das ERP den Einkaufsleiter in Echtzeit, damit rechtzeitig neue Teile bestellt werden und die Fertigung ohne Verzögerung weiterläuft.
PLM vs. ERP: Unterschiede & Gemeinsamkeiten
Auf dem Papier sind ERPs und PLMs sich sehr ähnlich. Bei genauerem Hinsehen sind sie jedoch eher wie zwei Pole auf demselben Planeten.
Verwirrt? Schauen wir uns die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von ERP- und PLM-Lösungen genauer an – zunächst eine kurze Zusammenfassung:

Unterschiede: PLM vs. ERP
Die Unterschiede zwischen PLMs und ERPs ergeben sich hauptsächlich durch die jeweiligen Daten und deren Nutzung.
1. PLM-Systeme konzentrieren sich auf die Produktentwicklung, während ERP-Systeme auf Unternehmensabläufe fokussieren
PLMs unterstützen speziell die Verwaltung des Produktlebenszyklus, einschließlich Design und Entwicklung. Sie bieten Zugriff auf Design-Dateien, Produktupdates und Anwendungsfälle, sodass Produktentwickler und Designer Änderungen nachverfolgen, abteilungsübergreifend zusammenarbeiten und Ineffizienzen im Produktionsprozess identifizieren können.
Andererseits benötigen beispielsweise Ihre Buchhaltungs-, Lieferketten- und Produktionsteams keinen Zugriff auf die Designworkflow-Daten eines PLM. Sie sind besser mit einem ERP bedient, das wertvolle Informationen über Kunden, Produkte, Bestellungen, Verkäufe usw. bündelt. Mit diesen „transaktionalen“ Daten lassen sich Geschäftsabläufe einfacher optimieren und die Rentabilität steigern.
2. Beide Tools richten sich an unterschiedliche Beteiligte: Produktentwickler vs. Produkthersteller
Einfach gesagt: PLM-Software richtet sich an Produktentwicklungsteams, während ERP-Software für Produktionsteams gedacht ist.
Um besser zu verstehen, warum das so ist, schauen wir uns die von beiden Systemen verwendeten Datenpunkte an:

PLMs verwalten Daten rund um Produktdesign, Größenangaben, Kosten und Farbschemata. Sie ermöglichen es Produktdesignern und Entwicklern, effizient zu kommunizieren, wie Komponenten miteinander und mit anderen Beteiligten zusammenhängen.
ERPs hingegen steuern den Materialfluss im gesamten Fertigungsprozess. Sie nutzen Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen, um Entscheidungen im Hinblick auf Bereitstellung, Beschaffung, Buchhaltung und Prognosen zu treffen.
Fertigungsteams können PLMs nicht nutzen, da diese Systeme die relevanten Produktinformationen nicht isolieren können. Umgekehrt haben Produktdesigner keinen Nutzen von ERPs, da diese keine Informationen zum Produktdesign bereitstellen.
3. PLM-Systeme sind flexibler als ERP-Systeme
PLMs müssen flexibel sein, um Prozessänderungen oder Produktaktualisierungen schnell aufnehmen zu können. Ein anpassungsfähiges System erleichtert es Teams, auf Veränderungen bei Anforderungen zu reagieren. Zudem können sie personalisierte Entwicklungsprozesse und PLM-Integrationen erstellen, um ihre Geschäftsanforderungen und Nachfragen zu erfüllen.
Dagegen konzentrieren sich ERPs stark auf tägliche Transaktionsdaten rund um Geschäftsaktivitäten wie Beschaffung, Bestandsmanagement, Auftragsabwicklung usw. Obwohl es Schwankungen gibt, bleiben die grundlegenden Datenpunkte meist gleich. Daher verfügen die besten ERP-Lösungen in der Regel über ein striktes Datenverwaltungssystem.
Gemeinsamkeiten zwischen PLM & ERP
Die Gemeinsamkeiten zwischen PLMs und ERPs sind etwas subtiler als ihre Unterschiede und sprechen sogar dafür, beide Softwarelösungen zusammen zu nutzen. Sehen wir uns an, warum das so ist:
1. Beide helfen, Ihr Produkt zum Leben zu erwecken
Obwohl ERP und PLM unterschiedliche Zwecke erfüllen, teilen sie ein gemeinsames Ziel: Ihr Produkt auf den Markt zu bringen.
Die Kombination beider Systeme bietet einen umfassenden Überblick über Ihr Produkt – vom Design- und Entwicklungsprozess bis hin zu Fertigung und Vertrieb. Moderne ERP- und PLM-Anbieter nutzen Integrationen, um den Datenaustausch zwischen diesen Systemen zu automatisieren.
Sie können auch ERP-Systeme implementieren, die integrierte PLM-Module bieten; allerdings steht die Datenintegrität dabei auf dem Spiel. Es ist oft vorteilhafter, in ein eigenständiges PLM zu investieren und einen ERP-Berater hinzuzuziehen, um die Integration durchzuführen.
2. Beide helfen, den Fertigungsprozess zu optimieren
Die gleichzeitige Nutzung von ERP und PLM schafft eine Produktdatenbank, die vom Konzept bis zum Verkauf reicht. PLMs halten alle Beteiligten über Design- und Entwicklungsupdates auf dem Laufenden, während ERPs sicherstellen, dass finanzielle Ziele und Anforderungen in der Lieferkette erfüllt werden.
Der Datenaustausch ist jedoch nur in eine Richtung sinnvoll: von PLM zu ERP.
Nehmen wir an, Sie benötigen die finalen Produktschemata, um Teile für einen Prototyp zu bestellen. Sie brauchen die Konstruktionspläne, um zu wissen, welche Teile zu bestellen sind – weshalb die Daten aus Ihrem PLM ins ERP-System fließen müssen.
Aber die Anzahl der bestellten Teile und deren Kosten (die vom ERP erfasst werden) sind für Ihre Produktdesigner nicht relevant. Sie bevorzugen Zugriff auf die Konstruktionszeichnungen und deren Versionierungen (die im PLM gepflegt werden) für Design und Entwicklung. Mit anderen Worten: Für die beteiligten Teams ist es nicht sinnvoll, ERP-Daten ins PLM zurück zu übertragen.
3. Beide funktionieren am besten unabhängig voneinander
Wie bereits gezeigt, sind ERP und PLM zwar voneinander abhängig – ironischerweise funktionieren diese Lösungen aber am besten unabhängig. Wenn man sie zu einem System verschmilzt, gehen einige Eigenschaften verloren, die unterschiedliche ERP- und PLM-Typen auszeichnen.
Beispielsweise kann die Integration von PLMs in die starre ERP-Struktur dessen Anpassungsfähigkeit einschränken. Stattdessen sollten Sie Ihre Ressourcen darauf verwenden, nur die jeweils erforderlichen Datenpunkte per Automatisierung auszutauschen. Das minimiert jede Datenverdopplung und beschleunigt fundierte Entscheidungen.
Ist ERP oder PLM besser?
Um ehrlich zu sein: Das hängt davon ab, wofür Sie die Software einsetzen möchten.
Wenn Sie eine Lösung zur Zusammenstellung und Weitergabe von Produktinformationen von Beginn an suchen, sollten Sie ein PLM wählen. Wenn Sie jedoch Daten für das gesamte Unternehmen erfassen und organisieren möchten, ist ein ERP die richtige Wahl.
Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, in ein PLM zu investieren ist besser als in ein ERP, weil:
- PLMs bieten einen gezielteren Ansatz mit Fokus auf die Optimierung der Produktentwicklung, während ERPs einen breiteren Ansatz bieten, der verschiedene Unternehmensbereiche abdeckt.
- PLMs sind flexibler und geben Ihnen die Freiheit, Ihre Prozesse an sich ändernde Verbraucherwünsche anzupassen, während ERPs durch ihre starre Struktur besser zur Verwaltung von transaktionalen Geschäftsdaten geeignet sind.
- PLMs helfen Produktentwicklern, Entwicklungsprozesse zu optimieren, was sie besonders für kleine oder neue Unternehmen ideal macht, die hochwertige Produkte schaffen möchten. ERPs eignen sich besonders für Organisationen, die etablierte Entwicklungsprozesse und Workflows effizienter gestalten möchten.
Brauchen Sie beide Systeme?
Wenn Sie auf eine einfache Ja-oder-Nein-Antwort hoffen, werden Sie enttäuscht sein, denn ob Sie sowohl ERP- als auch PLM-Systeme benötigen, hängt ganz von Ihren Anforderungen und verfügbaren Ressourcen ab.
Für kleine Unternehmen ist ein PLM sinnvoller, weil es spezielle Werkzeuge und Funktionen bietet, die Ihnen bei der Entwicklung und Gestaltung Ihrer Produkte helfen. Zudem können Sie mit einem flexiblen PLM Ihre Prozesse bei Wachstum leicht an neue Anforderungen anpassen.
ERPs hingegen eignen sich ideal für größere Unternehmen mit etablierten Entwicklungsprozessen, die Transaktionsdaten wie Bestellungen, Preise und Prognosen konsolidieren möchten. Es wird nur benötigt, wenn Sie unterschiedliche Geschäftsbereiche – etwa Buchhaltung, Vertrieb, Fertigung und Produktentwicklung – aufeinander abstimmen wollen.
Wenn Sie ein kleines Unternehmen sind, das bereits ein PLM-System nutzt und Ihr Geschäft ausgeweitet hat, könnten Sie durch die Einführung eines ERP-Systems einen hohen Nutzen erzielen – vorausgesetzt, Sie sind bereit für einen langen und kostspieligen Weg.
10 ERP-Optionen, die Sie in Betracht ziehen sollten
Wenn Sie sich entschieden haben, dass ein ERP-System Ihrem Unternehmen nützen könnte, sind dies die Optionen, die unser Team empfiehlt:
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