Von cloudbasierten über On-Premise-, Hybrid- bis hin zu branchenspezifischen Systemen gibt es unzählige Arten von ERP-Systemen. Bei so vielen Möglichkeiten ist es nicht ungewöhnlich, sich etwas verloren zu fühlen.
Als Experte für digitale Software habe ich verschiedene ERP-Software und deren Typen getestet, bewertet und genutzt. Was ich daraus gelernt habe: Der beste Einstieg ist das Kennenlernen der verschiedenen Modelle, ihrer Funktionen und wie sie Ihrem Unternehmen Vorteile bringen können.
Ab hier heißt es dann eigentlich nur noch: eine Entscheidung treffen. Also, legen wir los und finden gemeinsam den passenden ERP-Systemtyp für Ihr Unternehmen.
Was ist ein ERP-System?
Ein Enterprise Resource Planning System (ERP) ist eine Art Unternehmenssoftware, die Arbeitsabläufe optimieren, Kommunikation vereinfachen, die Produktivität steigern und mehr kann.
ERP-Systeme funktionieren als zentrale, integrierte Anwendungen aus einer Hand. Sie enthalten alles, was die Abteilungen Ihres Unternehmens benötigen, um Arbeitsprozesse zu steuern, zu verwalten und zu automatisieren.
Auch wenn das gesamte Unternehmen von der Einführung eines solchen Systems profitieren kann, gibt es Abteilungen, die durch die ERP-Einführung am meisten profitieren werden:
- Buchhaltung & Finanzen
- Personalwesen
- Vertrieb
- Kundensupport
- Bestandsverwaltung
Mit einem umfassenden ERP-System können Sie Einzellösungen wie Ihr separates Customer Relationship Management (CRM) System, Ihr Finanzmanagementsystem oder Ihre Lagerverwaltungssoftware ablösen.
All diese Funktionen finden Sie im ERP – mit dem zusätzlichen Vorteil, dass alles verbunden und auf einer einzigen Plattform zentralisiert ist.
Überblick über ERP-Systeme
Der Einsatz eines ERP-Systems kann auf vielen Ebenen jedem Unternehmen helfen. Doch nicht alle ERP-Systeme sind gleich.
Wer schon einmal Organisations- oder Betriebssoftware für sein Unternehmen gesucht hat, weiß: Es gibt sie in zahlreichen Varianten, die jeweils unterschiedliche Komponenten enthalten, um diversen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden.
Was ERP-Systeme angeht, gibt es vier Haupttypen zur Auswahl:
- Out-of-the-Box ERP-Systeme: Diese Systeme sind sehr benutzerfreundlich und damit ideal für Einsteiger. Sie sind leicht zu installieren, bieten aber weniger Anpassungs- und Konfigurationsmöglichkeiten als komplexere Systeme. Sie heißen „Out-of-the-Box“, weil sie vorgefertigt und sofort einsatzbereit sind. Sie müssen lediglich Ihre Unternehmensdaten eintragen, und schon können Sie loslegen.
- Anpassbare ERP-Systeme: Auch bekannt als Tier 1 ERPs (SAP, Microsoft Dynamics 365 und Oracle). Diese Systeme werden auf Basis eines von Ihrem Unternehmen definierten oder ausgewählten Rahmens entwickelt. Dadurch sind sie besonders individuell anpassbar, allerdings sind sie entsprechend kostenintensiv und erfordern meist Schulungen. Um maßgeschneiderte Geschäftsprozesse zu erstellen, müssen viele Stunden in Entwicklung und Beratung investiert werden.
- Intermediate-ERP-Systeme: Auch bekannt als Tier 2 ERPs, liegen diese Systeme zwischen den ersten beiden Optionen. Sie können Intermediate-ERPs direkt einsetzen, haben aber zusätzliche Optionen zur Anpassung und Konfiguration. Wer eine Lösung sucht, die den eigenen Anforderungen flexibel gerecht wird, ohne zu teuer zu sein, liegt mit diesem Systemtyp meist richtig. Gerade für kleine Unternehmen ist dies oft die beste Wahl.
- Branchenspezifische ERP-Systeme: Dieser Systemtyp ist für spezielle Branchen entwickelt, beispielsweise für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, professionelle Dienstleistungen oder das Baugewerbe. Um mit einem solchen ERP-System zu arbeiten, sollten Sie mit Fachbegriffen, Standards, Richtlinien und Abläufen Ihrer Branche vertraut sein.
Beachte:
ERP-Systeme werden nicht immer nach Typ gekennzeichnet. Mit den obigen Kurzbeschreibungen solltest du jedoch erkennen können, mit welcher Art von System du es zu tun hast – und welches für dein Unternehmen am sinnvollsten ist.
ERP-Typen
Natürlich solltest du bei der Wahl der passenden Enterprise-Resource-Planning-Software für dein Unternehmen mehr als nur auf das System achten; während des Auswahlprozesses solltest du auch den idealen Hosting-Typ bestimmen.
Während Systemtypen eher nuanciert und selten kommuniziert werden, sind Hosting-Varianten von ERP-Anbietern meist bekannt und werden häufig vermarktet. Zu den gängigsten Hosting-Optionen gehören:
Cloud-basiertes ERP
Ein cloudbasiertes ERP wird auf den Servern deines ERP-Anbieters gehostet, auf die du dann per Internet zugreifst.
In der Regel handelt es sich dabei um Software-as-a-Service (SaaS)-Lösungen, die zu einem abonnementbasierten Preis angeboten werden. Du zahlst also eine monatliche, vierteljährliche oder jährliche Pauschale.
Die meisten Unternehmen greifen aus folgenden Gründen auf cloud-basierte ERP-Lösungen zurück:
- Jederzeitiger Login von jedem Standort aus möglich
- Speicherplatz und Lizenzen lassen sich mit dem Unternehmenswachstum leicht erweitern
- Neue Funktionen und Änderungen sind schnell verfügbar, sodass die Software stets aktuell ist
Obwohl die Gesamtkosten bei cloudbasierten Lösungen meist niedriger sind, bieten sie nur begrenzte Möglichkeiten zur Anpassung und die Datensicherheit liegt nicht in direkter Hand des Nutzers.
Vorteile:
- Relativ kostengünstig
- Einfach kalkulierbarer Gesamtpreis
- Schnellere Implementierung
- Keine eigenen IT-Fachkräfte zur Systemwartung nötig
Am besten geeignet für:
- Die meisten Unternehmen, darunter Startups, KMU und größere Organisationen
Beispiele:
- Odoo
- Oracle NetSuite
- Acumatica
Dies sind nicht die einzigen Cloud-Optionen. Hier noch ein paar weitere Empfehlungen, um die passende Lösung zu finden:
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Multi-Cloud-ERP
Ähnlich wie cloudbasierte ERPs nutzen Multi-Cloud-ERPs mehrere Cloud-Anwendungen und -Dienste von Dritten zum Betrieb deines Systems. Diese können öffentlich oder nicht öffentlich sein.
Im Allgemeinen werden Multi-Cloud-ERP-Systeme häufiger von großen Unternehmen eingesetzt, da sie es ermöglichen, die besten Lösungen zu kombinieren, um das System optimal aufzustellen. Auch KMU können Multi-Cloud-ERPs einsetzen, häufig sind sie allerdings komplexer zu verwalten und mit höheren Kosten verbunden.
Vorteile:
- Erweiterung der Funktionalität durch mehrere Cloud-Services möglich
- Bietet ein zentrales System für den Login
- Integration mit öffentlichen Cloud-Resourcen, um Systemfähigkeiten und Performance zu erweitern
Am besten geeignet für:
- Großunternehmen, Firmen in streng regulierten Branchen oder digital fortschrittliche Organisationen
On-Premises-ERP
Ein On-Premise-ERP wird auf den Computern und Servern deines Unternehmens gespeichert. Der Zugriff erfolgt von jedem verbundenen Rechner und je nach Konfiguration ist auch der Fernzugriff möglich.
Da lokale ERP-Lösungen auf Ihrem eigenen Server gehostet werden, eignen sie sich am besten für Unternehmen mit einem eigenen IT-Team. Sie sind zudem für Wartung und Änderungen verantwortlich, wodurch diese Systemarten schnell höhere Kosten verursachen können.
Vorteile:
- Vollständige Systemkontrolle
- Umfassende Anpassungs- und Konfigurationsmöglichkeiten
- Datensicherheit liegt in Ihrer direkten Kontrolle
Am besten geeignet für:
- Unternehmen, die umfangreiche Anpassungen, volle Governance und vollständige Kontrolle benötigen
Beispiele:
- Aptean
- Dolibarr
- Xledger
Viele Anbieter bieten sowohl lokale als auch cloudbasierte Optionen an, was die ERP-Auswahl verwirrend machen kann. Damit Sie den passenden Typ auswählen, nutzen Sie meine Liste:
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Hybrides ERP
Ein hybrides ERP zu finden kann schwieriger sein als die anderen beiden Optionen. Aber wie der Name schon sagt, vereint diese Hosting-Art Aspekte eines cloudbasierten und eines lokalen ERP.
Hybride ERP-Lösungen bieten die Vorteile beider Systeme und sind besonders gut für KMU geeignet. Da es sich aber um eine Mischform handelt, ist mehr IT-Einsatz als bei Cloud-Optionen erforderlich und die Flexibilität ist geringer.
Vorteile:
- Einfachere Aufrüstung bestehender Altsysteme
- Benötigen keine firmeninternen Server
- Bieten mehr Kontrolle über Systemfunktionen
Am besten geeignet für: Wachsende Unternehmen im Skalierungsprozess, die keine vollständige Kontrolle benötigen
Beispiele:
- Microsoft Dynamics 365
- SAP S/4HANA
- Oracle Fusion Cloud
Anwendungsfälle von ERP-Software
ERP-Software kann viele Rollen einnehmen, was sie so leistungsfähig – und manchmal auch etwas überwältigend – macht.
Um Ihnen einen besseren Überblick zu verschaffen, habe ich die besten Anwendungsfälle für verschiedene ERP-Systemtypen herausgesucht – so sehen Sie, wie jedes für Sie arbeiten kann.
- Bestandsmanagement: Überwachen, aktualisieren und optimieren Sie Ihre Bestände. Indem Sie ein ERP mit integrierten Einkaufsmöglichkeiten wählen, kann dieser Prozess außerdem deutlich effizienter gestaltet werden.
- Software-Lizenzverwaltung: Optimieren Sie Ihre Beschaffung, indem Sie alles von Anbietern bis zu Kreditorenbuchhaltung auf einer Plattform zentralisieren.
- Vertrieb und Marketing: Vertriebsmitarbeitende können Angebote mit einem ERP innerhalb von Minuten in Aufträge umwandeln. Durch die gemeinsame Nutzung von Vertriebs- und Marketingdaten erhalten Sie ein umfassenderes Bild davon, was funktioniert – und vielleicht noch wichtiger: was nicht.
- Finanzmanagement: Verwalten Sie alle finanziellen Aspekte Ihres Unternehmens über eine Plattform, um die Produktivität zu steigern und einen umfassenden Überblick über Ihre finanzielle Situation zu erhalten.
- Kundenbeziehungsmanagement: Nutzen Sie ein ERP, um Kundendaten zu verfolgen und Marketingmaßnahmen individuell zu gestalten. Außerdem lassen sich Serviceoptionen direkt mit Kundenportalen verknüpfen, um die Effizienz zu steigern.
- Supply Chain Management: Organisieren Sie Ihre Bestellungen besser und überwachen Sie aktuelle Produktionsprozesse. Ein ERP hilft Ihnen, Engpässe zu vermeiden, sodass Sie stets liefern können, was Ihre Kundschaft benötigt.
- Personalmanagement: Verwalten Sie sämtliche HR-Prozesse, Unternehmensrichtlinien und unterstützen Sie die Unternehmenskultur direkt im ERP.
- Projektmanagement: Steuern Sie Projekte, indem Sie Aufgaben zuweisen, Ausgaben verfolgen und Fortschritte zentral überwachen. Außerdem ermöglichen detaillierte Datenberichte in jeder Projektphase eine schnelle Problemerkennung und sichern Effizienz.
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Branchen, die am meisten von der Nutzung von ERP-Software profitieren
Viele Branchen können von der Nutzung eines ERP-Systems profitieren – und die Unternehmen lernen das schnell. Der Beweis? Allied Marketing Research prognostiziert, dass der globale ERP-Markt bis 2030 mehr als 117 Milliarden US-Dollar wert sein wird.
Obwohl praktisch alle Unternehmen in allen Branchen profitieren können, gibt es einige Branchen, die den größten Nutzen daraus ziehen. Daher sind es auch diese Branchen, in denen Enterprise-Resource-Planning-Systeme am häufigsten eingesetzt werden. Zu diesen Branchen zählen:
- Technologie & SaaS
- E-Commerce
- Bauwirtschaft
- Lebensmittel- & Getränkeindustrie
- Gesundheitswesen
- Produktion/Herstellung
Gängige Funktionen von ERP-Software
Auch wenn sich die Funktionen und Möglichkeiten von ERP-Software von einer Lösung zur anderen deutlich unterscheiden können, gibt es einen Satz gemeinsamer Funktionen (die sogenannten Module), den alle Top-Lösungen besitzen. Dazu gehören:
Buchhaltung
Einige betrachten die Buchhaltung als das wahre Herzstück von ERP-Software, weil sich hier die Vorteile der Zentralisierung besonders zeigen: etwa durch die Möglichkeit, unternehmensweite, detaillierte Berichte auf verschiedenen Ebenen zu erstellen.
Zahlreiche Buchhaltungsfunktionen innerhalb von ERP-Software umfassen Rechnungsstellung, Erstellung von Finanzberichten, Budgetierung, Datenaggregation (tschüss, verstreute Excel-Dateien) und allgemeine Finanzfunktionen. In Kombination mit Buchhaltungssystemen kann ERP-Software eine sehr leistungsstarke Lösung für viele Finanzprozesse bieten.
Website/E-Commerce
Die meisten ERP-Softwares bieten Funktionen, mit denen Sie Ihre Website direkt aus dem System heraus gestalten, konfigurieren und hosten können. So wird die Abwicklung von Online-Zahlungen, die Bearbeitung von Bestellungen oder das Design und die Wartung eines Kundenportals deutlich erleichtert.
Projektmanagement
Auch wenn fast alle ERP-Systeme über Projektmanagement-Funktionen verfügen, unterscheiden sich deren Möglichkeiten stark. Standardmäßig bieten die meisten Systeme Zeiterfassung und Aufgabenverwaltung. Über umfangreichere Systeme können aber zusätzlich auch Beschaffung, Ressourcenverwaltung, Auftragsabwicklung, Kostenschätzungen sowie Projektübersichten und -berichte abgebildet werden.
Kundenservice
Ein ERP sollte alle grundlegenden Funktionen eines Customer-Relationship-Management-Systems (CRM) enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Live-Chat, anpassbare Umfragen, Kundendaten-Verfolgung und ein Helpdesk.
Gemeinsam können diese Funktionen die Abläufe im Kundenservice optimieren, Wartezeiten für Anrufer reduzieren und insgesamt das Kundenerlebnis verbessern.
Personalwesen
Dieses Modul enthält Funktionen zur Abwicklung aller wichtigsten HR-Aufgaben. Dazu zählen beispielsweise Leistungsbeurteilungen, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Rekrutierungsfunktionen, Spesenabrechnungen sowie die Verwaltung von Abwesenheiten und Urlaub.
Allgemeine Geschäftsprozesse
Einer der größten Vorteile von ERP-Software liegt darin, dass Sie all Ihre Geschäftsprozesse auf einer einzigen Plattform zentralisieren können.
Dadurch können Sie allgemeine Abläufe verfolgen und steuern, die bei anderen kollaborativen Softwarelösungen oft fehlen, wie zum Beispiel Beschaffung, Lieferkettenmanagement, Rentabilitätsüberwachung, Lagerverwaltung und vieles mehr.
Workflow-Automatisierung
Automatisierungsfunktionen für verschiedenste Workflows in unterschiedlichen Abteilungen können den Zeitaufwand für mühsame oder Routineaufgaben verringern – etwa bei der Datenaggregation zur Erstellung von Finanzberichten.
Analysen und Berichtswesen
Die Analyse- und Reporting-Funktionen eines ERP-Systems sind leistungsstärker, da sie das gesamte Unternehmen abdecken, anstatt nur auf Abteilungen oder Projekte beschränkt zu sein.
Dies kann die Entscheidungsfindung verbessern und eine klare Definition der notwendigen Geschäftsanforderungen für die Zukunft bieten.
Wenn möglich, suchen Sie nach Optionen für Echtzeit-Daten, um noch mächtigere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.
Tipps zur Auswahl des richtigen ERP-Systems
Nachdem Sie nun ein tiefgehendes Verständnis für die möglichen ERP-Systeme Ihres Unternehmens haben, ist es an der Zeit, das passende ERP-System für Ihre Anforderungen zu finden. Berücksichtigen Sie die folgenden Fragen bei der Wahl Ihres ERP-Typs und Ihrer Software.
- Was sind Ihre spezifischen Geschäftsanforderungen? Kann die ausgewählte Software und der Typ mit Ihrem Unternehmen wachsen?
- Benötigen Sie eventuell einen Implementierungspartner, damit Ihr ERP-Projekt pünktlich und im Budget starten kann?
- Welche Risiken sind mit jedem Typ verbunden und wie können Sie diese minimieren?
- Welches Maß an Individualisierung ist bei den jeweiligen Bereitstellungsoptionen möglich?
- Wie beeinflusst jedes Bereitstellungsmodell die Kosten, Wartung und Zugänglichkeit?
- Wie viel Schulung ist für verschiedene Nutzergruppen erforderlich?
Falls Sie nach diesen Fragen immer noch unentschlossen sind, werfen Sie einen Blick auf einige meiner Top-ERP-Softwareoptionen, um Ihnen den Einstieg zu erleichtern. Zusätzlich kann das Abonnieren von speziellen ERP-Newslettern laufend Einblicke und Updates bieten, um Ihren Entscheidungsprozess zu unterstützen.
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